Der Ton macht die Musik, heißt es in einer Redensart und in einigen Sprachen – zum Beispiel im asiatischen Raum – mag das sogar wortwörtlich gelten. Aber auch dort, wo die Tonhöhe dem Gesagten nicht unbedingt den richtigen Sinn geben kann, ist ein angemessener Tonfall, eine abgestimmte Klangfarbe, eben gut und richtig gewählte Worte das A und O der gelungenen Kommunikation. Sei es, wenn zwei Menschen miteinander sprechen, mehrere einander Emails im Kreis schreiben oder Marketing Menschen an passgenauen Claims feilen. Immer liegt die eine Frage zugrunde: Wen und/oder was möchte ich mit der jeweiligen Kommunikation erreichen?

Auf den TV Journalismus übertragen heißt das: Wem erzähle ich meine Geschichte eigentlich? Und (immer wieder): Was ist überhaupt die Geschichte? Aber auch in der praktischen, sonstigen Kommunikation sollte sich ein Gedanke immer automatisch vorschalten: Wen oder was soll mein geschriebener Text, soll mein gesprochenes Wort erreichen? Die immer bunter werdende Vielfalt in der Sprachwelt aus Hashtag-Mixturen, Anglizismen, Neuschöpfungen, Kreationen der Jugendsprache, Abkürzungen und Zahl-Buchstaben-Dadaismus machen den „guten Ton“ in der Kommunikation im Grunde immer schwer, aber nicht unmöglich. Sprache ist nämlich außerdem und zugleich ein altes, gut durchgesessenes Sofa mit dazugehörigen Erwartungshaltungen. Bedienen wir sie also elegant, ohne dabei selbst einzustauben. Nutzen wir Simples und versuchen, den guten Ton methodisch zu treffen.

Es ist zunächst ratsam, so einfach es klingt, sich klar zu machen, wer mit wem kommuniziert. Bin ich zum Beispiel ICH oder vertrete ich ein größeres WIR (und wenn ja, welches?)? Bin ich / sind wir mit meinem / unseren Empfänger (n) per DU oder per SIE? Was im Englischen schlicht hinfällig ist, stellt uns hierzulande bewusst oder unbewusst vor große kommunikative Herausforderungen, wenn es um den filigran getroffenen Tonfall geht. Ich kenne einen sehr klugen weltoffenen Professor für mathematische Philosophie, der sich weigert, bei IKEA einzukaufen. Nicht, weil ihm das Sortiment nicht zusagt, sondern weil ihm IKEA sprachlich zu nah auf die Pelle rückt. Er möchte schlicht nicht geduzt werden. Ich verstehe ihn. Unabhängig davon habe ich mich in meinen eigenen theoretischen aber direkten Ausführungen dafür entschieden, meine Leser bzw. Kommunikationsempfänger zu duzen, obwohl ich ein sauberes SIE in der persönlichen Kommunikation eigentlich auch als angenehm empfinde.

Aber weiter: Positioniere ich mich aktiv oder passiv zu meiner Botschaft? Bin ich ein Mensch oder eine Einrichtung? Ein Amt, ein Freund, ein mächtiger Konzern… Und in welcher Beziehung stehen wir alle zueinander? Das sprachliche „Gendering“ lasse ich hier ganz außen vor. Es ist eine thematisch separate und wirklich zu komplexe Baustelle, die an dieser Stelle nur für überlagernde Verwirrung sorgen würde.

Definiere also zunächst die Position von Sender und Empfänger: Wer kommuniziert mit wem? Wer versucht genau wen zu erreichen? Welche jeweilige Haltung nehmen Botschafter und Rezipient ein? Gibt es mögliche Erwartungshaltungen? Und wenn ja, welche sind das? Fällt die Kommunikation sachlich oder gefühlsbetont aus? Visualisiere dir ggf. Empfänger/Zuschauer/-hörer/Leser und frage dich konkret: Wo liegt die mögliche sprachliche Grundposition? Und: Was ist die Botschaft in einem einzigen Satz?

Auch wenn sich die ganze Fragerei vielleicht ein wenig zu theoretisch bzw. schwer umsetzbar anhört, so kann sie doch in der praktischen Arbeit – beim Kommunizieren oder Texten – sehr hilfreich sein. Wenn ich zum Beispiel in einem Text-Coaching einen Sachverhalt nicht verstehe, stelle ich häufig die Gegenfrage: Was willst du eigentlich sagen? Interessanterweise ist die gesprochene Antwort dann meistens das gesuchte Text-Fragment. Sich dazu vorzustellen, wen der Text jetzt konkret erreichen soll (konkreter als beim TV z.B. Zielgruppen in Altersspannen), hilft, zu lernen, wie man nun den geeigneten Ton anschlägt. Eine respektvolle Haltung der Sache selbst gegenüber schafft den nötigen Rahmen, um sich im selben (also Ton) möglichst nie zu vergreifen.

Beispiele für den konkret falschen Ton können sein: flapsige Formulierungen, unterschwellige Belehrungen, zu nah treten, zu fern bleiben, das eigentliche Thema (ja auch das gibt es) verfehlen, zu viel oder zu wenig voraussetzen, eine falsche persönliche Haltung einnehmen, sich also über oder unter dem Rezipienten positionieren, Ab- oder Überbewertungen, überhaupt Bewertungen jeglicher Art, Vermischen von Inhalten, unkorrekte Einordnung… u.s.w.

All das kann Sprache hör- / fühl- bzw. sichtbar machen. In geschriebener Form kämen dann noch Outlook, Rechtschreibung/Grammatik und Stilistik insgesamt hinzu. Aber auch das Bleibende.

Der Ton, der in der Kommunikation also die gute Musik von Grund auf macht, ist die Bedachtheit, mit der Sprache zum Einsatz kommt. Genauso wertvoll wie die „erste spontane Idee“ kann übrigens auch die Nacht (oder wenigstens einen Moment) des „Darüber schlafen“ sein. Am Tempo verliert der gute Ton ja auch in der Musik nicht.

Ein guter Berater sei bei Bedarf immer empfohlen. Besonders in den Anfängen, aber auch zur Korrektur, Selbstkontrolle, bzw. zum Einholen einer zweiten Meinung. Gern stehe ich zur Verfügung. Für dich, für Sie, aber in jedem Fall für den Erhalt und die Weiterentwicklung eines gepflegten sprachlichen Miteinanders.