Wer scherzt, ist selbstbewusst. Ein guter Witz muss sitzen. Manche Menschen sind komisch, ohne es zu wollen. Andere sind unfreiwillig komisch. Humor kann nerven. Schräg oder scharf jedoch kann er unheimlich brillant sein. Es ist also in jedem Fall nicht einfach, wenn sich ein gewisser Witz jetzt auch sprachlich vermitteln soll. Dazu kommt: Ein Leser nimmt einen geschriebenen Scherz anders wahr als ein Hörer oder ein Zuschauer. Es dreht sich also alles – wie fast immer – um Rezipient und Bühne.

Hinter den Kulissen der scherzenden TV-Welt agieren vielerorts – das ist kein Geheimnis – geniale wie talentierte Kolleginnen und Kollegen, die in der Lage sind, auf Kommando die Wörter von der Leine zu lassen, dass ein wahrer Platzregen an Gags auf die Zuschauerschaft niedergeht. Präzise und professionell. Aber auch im „Kleinklein“ wollen und sollen Autoren bisweilen witzig sein (können). Wie geht das? Und wenn es geht, wer bestimmt, was unterhaltsam ist? Wann genau IST eigentlich etwas lustig oder wird lustig durch die begleitende Autorenleistung? Und was bedeutet „lustig“ eigentlich?

Ein paar kleine Wegweiser durch den Gute-Laune-Dschungel im TV:

  1. Unsere Grundlage sind Bilder. Lassen wir die also zunächst roh, rein und unverstärkt auf uns wirken. Die eigene Reaktion / der erste eigene Impuls gibt hier schon den wichtigsten aller Hinweise: Wie wirkt etwas auf mich? Muss ich sofort lachen? Vermittelt sich das Bild sofort als ansteckend komisch? Regt es zum Schmunzeln an? Oder ist die dominante Wirkung doch mehr die Schadenfreude? Oder Fremdscham? Muss ich mich gar wegdrehen, so peinlich berührt bin ich? Ein Bild kann also viel auslösen. Setzen wir diesen ersten Marker der eigenen Reaktion als festen Punkt.
  2. Wie immer gilt: wen oder oder was möchte ich erreichen? Was ich erreichen will, ist beim „lustig sein“ ja klar. Aber vermittelt sich der Gag, das Lustige, auch sofort bei der Zielgruppe? Müssen wir technisch „nachhelfen“ (etwa durch den Einsatz von Musik, Geräuschen oder optischen Highlightern) und welche Rolle übernimmt nun der Text als Begleitwerk? Was wird vielleicht erst durch die Erklärung selbst witzig und welche Ansprechhaltung (ganz wichtig) nimmt der Autor dabei ein? Nichts ist so anspruchsvoll wie das möglichst perfekte Zusammenspiel all dieser Faktoren. Schnell kann etwas „überpowert“ oder wie der gefürchtete „Holzhammer“ wirken. Das ist schade und für den Witz schadhaft zugleich. Wer professionell „lustig“ ist oder sein möchte, sollte sich über zweierlei Feedback im Klaren sein: Erstens: Nicht jeder kann und wird lachen. Das muss man verkraften können. Zweitens: Aber genau auf den, der nicht lacht, ist zu achten bzw. dessen Feedback. Wir müssen immer bereit sein, auf der Schussfahrt zu wenden. Was klingt, wie ein Widerspruch, ist die Basis für charmantes und sicheres Scherzen: Nicht-Lacher ernst nehmen, Nicht-Lacher ignorieren. Beides ist unerlässlich.
  3. Weniger ist mehr. Manchmal werden wir förmlich erschlagen von doppelt belegten Wurstbroten mit drei extra Scheiben Salami. Das ist meist unnötig und es schadet der leichten unterhaltsamen Erzählweise auch. Die Überladung entsteht oft aus Unsicherheit, man “ müsse das doch auch wirklich verstehen“. JA. Und NEIN. Ein bisschen Schwund ist beim Scherzen sowieso immer. Wie gesagt: Nicht jeden werden wir erreichen, aber machen wir unsere Gags von Haus aus schlechter, in dem wir sie mit ungünstigen Witze-Rollatoren versehen, schmälern wir die wirklich Pointe und schwächen unsere Position des Entertainers.
  4. Scherzen ist gratwandern, in jeder Sekunde. Zwischen süffisant und platt oder charmant und flach kann manchmal nur ein Wörtchen liegen, eine Betonung, ein Zungenschlag. Dessen sollten wir uns bewusst sein, wenn wir dieses besondere Genre – in welchem Maß oder Kontext auch immer – anfassen. Idealerweise sind wir immer in Gesellschaft eines guten Regulativs, vom anderen Geschlecht, vom anderen „Stern“, von anderer Feinstofflichkeit. Der eigene „Fanclub“ reguliert im Zweifel nicht.
  5. Gags brauchen Mut und Durchsetzungskraft. Weil sie auch polarisieren und immer eine Basis benötigen, auf der sie gemacht werden. Das kann verunsichern, fehlleiten oder – wie oben benannt – zu ungünstigen Hilfskonstruktionen führen, die den Scherz an sich in seiner Schlagkraft zerstören. Sind wir uns also darüber bewusst, dass „witzig sein“ eine Grundentscheidung für den Moment ist, vor der es kein Entzug und von der es auch keine „Light Version“ gibt. Ganz oder gar nicht. Und nicht vergessen:

Lustig sein ist eine der diszipliniertesten Angelegenheiten überhaupt.