Reiter sind ja ein Volk für sich, sagt man. Stimmt! Ähnlich wie in der Welt des Ballett wird auch über Pferdemenschen gesagt: Nur Reiter verstehen Reiter. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum sich Tanzende auch in der Reiterei zu Hause fühlt. Um die Balance geht es in jedem Fall bei Beidem. Und lernen kann man von den wohl anmutigsten Wesen des Planeten so oder so. Das Pferd bleibt uns Menschen als Flucht- und Herdentier immer ein Stückweit überlegen. So sehr wir ihn auch domestizieren wollen… riecht ein Gaul die Freiheit, ist er weg. Und mit der Masse eines Kleinwagens unter dir ist es egal, welches Zaumzeug du gewählt hast. Pferde sind immer stärker als du. Weil sie das aber nicht wissen und bewusst gegen dich verwenden, sind wir so fasziniert von ihnen.

Mein erstes Pferd hieß Almea, eine Hannoveraner Stute mit einer Engelsgeduld, einem Sitz wie ein Sofakissen und einem Herzen, so groß wie der Platz, auf dem ich sie geritten bin. Klassische Dressur, ohne Turnierambition. Die lehrreichsten Augenblicke erlebte ich mit ihr jedoch stets abseits das Reitens. Sie war eine Meisterin im selbständigen „Box öffnen“.  Sogar ihre Herden-Kumpels befreite sie eines Abends mit geschicktem Maul, um sich dann die Nacht über bis zur Kolik durch die ungemähte Wiese zu fressen.

Mein Lieblingspferd ist und bleibt jedoch für immer Calimero. Ein Räuber mit Araberblut und zeitgleich ein so verlässlicher Partner, der bereit war, mit wirklich jedem auf dem Rücken durch’s Feuer zu gehen. Er wusste genau, wer oben saß. Kleine zarte Kinder trug er an der Longe so sanft wie eine Schwarzwälder Kirschtorte im Kreis. Bei seiner Besitzerin jedoch „rollte er sofort die Augen“, wenn sie für seinen Geschmack nicht schnell genug in den Galopp wechselte.

Von Cali habe ich gelernt, innerlich ruhig zu werden und auch ganz bewusst so zu agieren. Er hat mir meine jeweilige Verfassung immer gnadenlos gespiegelt, unterm Sattel aber auch in jedem anderen Moment. Calimero war einer meiner Lehrmeister, was meine Geduld betrifft. Und immer dann, wenn ich am wenigsten damit rechnete, zeigte er mir, wie sehr er mir vertraut. Und ich ihm vertrauen kann. Eine Magie, der ich mich kaum entziehen konnte. Und die mich noch immer umgibt, sobald ich nur in die Nähe eines Pferdes komme.