Wer ist seinem Beruf aber auch im Privatleben erfolgreich und zufrieden sein möchte, braucht vor allem eines: ein starkes ICH. Sicher gibt es viele, die erfolgreich sind, und andere, die sich als ganz zufrieden bezeichnen würden. Aber selten geht damit auch zeitgleich automatisch die wirkliche mentale Gesundheit einher. Also die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und die damit verbundene (inzwischen auch viel besprochene) Achtsamkeit und natürliche Gelassenheit. In meinem Beruf erlebe ich oft, dass angehende Autorinnen und Autoren als Erzählende viel zu angestrengt sind. Ihr wahres ICH liegt irgendwo vergraben unter Unsicherheit, Selbstzweifeln oder seltsamen Nachahmungsmechanismen. Aus so einem Bauch heraus recherchiert, interviewt und erzählt es sich letztlich aber schlecht. Das ist schade, denn die meisten haben so viel natürliches Potenzial oder eben ungeschliffenes Talent. Überhaupt trägt jeder etwas Besonderes in sich, was leider nur so oft im Verborgenen bleibt. Beim Erzählen von Geschichten kommt dann unfreiwillig die ganze Wahrheit auf den Tisch: in Form von sperrigen Texten, gestelzten Formulierungen oder Bandwurm-Sätzen, die kein Mensch versteht. Die Lösung hierfür liegt – wie so oft – im Erzählenden selbst. Doch wie geht das? Spannend erzählen, Emotionen natürlich erzeugen, ohne Fremdscham, einfache und verständliche Bilder in Köpfe malen? Mentale Fitness ist das Zauberwort. Beginne, dein inneres ICH zu trainieren, in dem du dir selbst konkrete Fragen stellst und dich von überflüssigen Emotionalitäten radikal verabschiedest. Mach dich innerlich locker, begib dich in einen wirklichen Modus der „Erzähl-Haltung“ und frage dich:

1. Was ist die Geschichte?
2. Was möchte ich wirklich ausdrücken? Welche Informationen sind tatsächlich wichtig?
3. Welche Emotion möchte ich erzeugen, abbilden oder verstärken? Und wie geht es mir selbst dabei?
4. Wie würde ich diese emotionale Haltung einem nahstehenden Menschen (***Insert Name***) vermitteln?
5. Wie würde ich die Geschichte beginnen zu erzählen? Welche Worte würde ich dafür benutzen?
6. Wie würde ich z.B. am Telefon vom Inhalt berichten? Wie also beschreiben?
7. Trust the audience – Zuschauer / Zuhörer sind nicht doof (Wissen voraussetzen, Wertschätzung der Zielgruppe)
8. Erster Treffer – meistens ist der erste textliche Versuch nicht der schlechteste

9. Don’t be a copy – sei nur du selbst, keine Kopie von irgendwem, das gilt besonders für das ON AIR Sprechen

Und ein letzter wichtiger Punkt:

10. Trust the trainer – Mit Demut in die Weiterbildung

Im Vergleich zu vielleicht anderen Branchen ist es in unserer so, dass nur die Wiederholung und Übung über viele viele Geschichten hinweg einen guten Erzählenden machen. Auf dem Weg dorthin muss man bereit sein, auch Niederlagen einstecken zu können und sich gelegentlich „den Mund abzuwischen“. Erst nach schätzungsweise einer dreistelligen Zahl an erzählten Stories mag sich eine Art Routine einstellen, der man dennoch immer wieder mit Wertschätzung begegnen sollte. Das Herz, die Leidenschaft und die Authentizität sollten niemals einer oberflächlichen oder gar gering schätzenden Haltung weichen. Es ist wichtig, dass Erzählende immer in einer inneren Verbindung zu ihrem ehrlichen ICH stehen, um konstant und souverän mit Inhalten umgehen sowie sie textlich bzw. bildsprachlich einordnen zu können.

Ich nutze in meinen Ausführungen auch den Vergleich zum Tanz. Wer im Ballettsaal zum Beispiel nur auf den Moment des Effekts setzt, wird nie die wirkliche Technik beherrschen, sich nicht entwickeln oder sein Publikum erreichen. Ich selbst bin hier eine Lernende, mit allen Erfolgen und allen Niederlagen. Wer es wirklich will – egal ob Tanzen oder Geschichten erzählen – braucht vor allem Mut, Vertrauen und Ausdauer.

Mache Fehler, denn sie sind erlaubt – ja sie müssen sein. Aber sieh dabei immer ehrlich in den Spiegel und korrigiere sie! Nimm die Korrektur stets dankbar an. Und arbeite mit ihr! Sie schmälert dich nicht, sondern macht dich größer, mental stärker und sie bringt dich weiter. Jeden Tag ein Stück.