Ohne Mitgefühl kein Storytelling. So einfach könnte man es in einem Satz zusammenfassen. Dabei hilft die Fähigkeit, mitfühlend zu sein einerseits dabei einen guten Zugang zur Geschichte zu finden und Empathie zu entwickeln. Andererseits kann zu viel Gefühlsduselei auch unprofessionell wirken und eine unangenehme Nähe, Fremdscham oder eine emotionale Schieflage erzeugen. Beim Texten für TV Beiträge sind wir auch Gestalter von Gefühl, ohne dabei sichtbar zu werden. Diese feine Unsichtbarkeit gilt es zu wahren, besonders dann, wenn die Begleitumstände bereits höchst emotional sind. Ein selbsterklärend trauriges Schicksal zum Beispiel durch den Text emotional zu verstärken ist wie Käsebrot mit Frischkäse zu bestreichen. Passiert aber immer wieder, oft auch unbewusst. Am Ende kann das Ergebnis dadurch eigenartigerweise sogar das Gegenteil erzeugen und Mitgefühl sowie die Berührung des Herzens verhindern.

Viele Schreibende unserer Branche lassen sich dazu hinreißen, in der Zustandsbeschreibung unnötigerweise zu emotionalisieren. Sehen wir beispielsweise eine weinende Frau im Bild, ist es unnötig zu sagen, dass „xy traurig“, verzweifelt oder am Boden zerstört ist. Stattdessen können wir eine emotional kluge Haltung auf der sogenannten Meta-Ebene einnehmen und feinfühlig durch das Geschehen navigieren. Im Fall der weinenden Frau könnten das zum Beispiel ein einordnender Fakt sein, der einmal mehr belegt, dass sie verzweifelt sein muss: „…xy versucht seit Jahren…. was für sie ein täglicher Kraftakt ist.“ Der Text drängt sich nicht in den Vordergrund sondern wirkt harmonisch unterstreichend. Noch zurück genommener könnte es auch heißen: „xy versucht seit Jahren …“ Und Punkt. Ohne den Kraftakt. Im Vertrauen, dass der Zuschauer sich dies natürlich selbst denken kann.

Gefühlvoll zu texten stellt eine der Königsdisziplinen dar, weil möglichst jeder Satz ein unaufgeregter sowie passender Treffer sein sollte. Manchmal fällt es sogar in der Analyse schwer, zu benennen, warum ein Text, eine Textstelle nicht funktioniert. Transportiert. Darum steht die Vermittlung von Emotionen auch einmal mehr unter dem Artenschutz des professionellen Schreibens.

Wenn der Fokus, die besondere Aufmerksamkeit also immer mehr auf dem ehrlichen Begleiten durch Worte liegt als auf der verstärkenden Effekthascherei, kann der Transport von Mitgefühl im TV-Text auch gut gelingen.