Wie wird ein Text richtig griffig? Wie können wie packend schreiben und unverwechselbar formulieren? Das fragen sich Textende immer wieder. Besonders in der Alltagsroutine ist nicht jeder Text gleich vom ersten Satz an ein Juwel. Wir laborieren, wiederholen, wenden Gelerntes an und schreiben oft in lieb gewonnenen Schemata. Das gibt Sicherheit, beschränkt aber auch die Weiterentwicklung. Auf Dauer werden unsere Texter-Muckis schlaff und die Schreib-Gelenke rosten.

WIE können wir das vermeiden?

Das Geheimnis heißt hier: Mut und Mut zur Lücke. Beides können wir vom „Bullet Pointing“ lernen. Was ist das? Bullet Points sind sozusagen die „Einschuss-Löcher“ im guten Marketing. Bei Amazon zum Beispiel finden wir Bullet Points aller Qualitäten in der Produktbeschreibung. Der Artikel wird in einem Anstrich-Text erklärt, also in kurzen Aufzählungen werden die besten Features beschrieben, die Highlights gezielt heraus gestellt. Eben der ganze „Glanz“ kompakt in Worte verpackt, um das Produkt bestmöglich zu verkaufen. Im Idealfall sprechen Bullet Points also an und motivieren bewusst.

Beim Texten wollen wir im Grunde nichts anderes, nur geht es dabei um die Sache selbst: Wir wollen den Text bestmöglich verkaufen. Motivieren, ihn zu lesen. Wir möchten mit ihm auffallen, ihn flüssig und griffig zugleich machen, aber auch kompakt zusammenfassen und dennoch „highlighten“, wo immer es möglich ist. Um das zu erreichen, benutzen wir Stilmittel, zum Beispiel Auslassungen oder Sprachbilder. Wir setzen Schlagwörter ein, bilden Wortkreationen, sind frech und provozieren. Wir texten uns in Rage und sind dabei gefährlich brillant und unvergleichbar. Nicht.

Genau jetzt kommt das Fitnesscenter für Schreibende ins Spiel. Betreiben wir einfach mal ein bisschen kreativen Muskelaufbau, schulen den Geist und lockern die Finger auf der Tastatur. Dazu benötigen wir eigene Texte, die wir im „Bullet Pointing“ auseinander nehmen und wieder neu zusammensetzen. Nach diesem Warmup setzen wir mit einem neuen Thema frische Bullet Points und schreiben einen entsprechend frischen Text.

Bullet Pointing funktioniert methodisch und schrittweise, deshalb: Kein Training ohne Coach!

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut, sagt ein passendes Sprachbild. So ist es auch mit dem treffsicheren gefühlvollen Texten. Das Stichpunkt-Schreiben – also „Bullet Pointing“ – ist eine Übung, die unter Anleitung geschieht, nie zu lange dauert (Achtung Muskelkater!) und sich ständig wiederholt. In erster Linie geht es darum, alte Scharniere von Rost zu befreien, sauber zu feilen und neu zu fetten. Und zu verstehen, dass kreatives Schreiben nicht immer nur Freiheit braucht sondern auch Führung sowie die Lust auf neue Impulse und den eigenen Fortschritt.